Foto: Anders

Auf der unteren Hälfte dieser Seite finden Sie ergänzende Literatur Tipps zum Thema Luchs.

Lebensweise, Schutz, Gefährdung

Wie viele Luchse leben in Rheinland-Pfalz?

Im Pfälzerwald gibt es seit 1980 immer wieder Hinweise auf Luchse, die aber vermutlich auf illegal ausgesetzte Tiere zurückgehen. Seit 1999 existiert ein professionelles Luchsmonitoring für den Pfälzerwald, das seit 2003 von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) betreut wird.

Die festgestellte grundsätzliche Eignung des Pfälzerwaldes als Lebensraum für Luchse lässt vermuten, dass die Ursache für das dokumentierte temporäre Vorkommen von Luchsen in bestimmten Gebieten des Pfälzerwaldes an einer mangelnden Zuwanderung von Luchsen aus Frankreich - unter anderem bedingt durch die Zaberner Steige - liegt.

In Rheinland-Pfalz gibt es keine Hinweise auf eine Population von Luchsen, nur vereinzelte Hinweise auf ziehende, anschlusssuchende Tiere. Der letzte gesicherte Nachweis eines Luchses in Rheinland-Pfalz stammt aus dem Jahr 2009. Dabei handelte es sich entweder um einen Luchs aus den Vogesen oder um ein entwichenes Zootier.

Ist der Luchs in Deutschland und Europa noch weit verbreitet?

Ursprünglich besiedelte der eurasische Luchs alle größeren Wald- und Waldsteppengebiete im nördlichen und mittleren Eurasien. In der Mitte des 20. Jahrhunderts erreichte die Luchsverbreitung ihren niedrigsten Stand. Während die Tiere in West- und Teilen Mitteleuropas ausgerottet waren, gab es nur noch vier Reliktvorkommen in Europa: in Skandinavien, in den Karpaten, im Baltikum und im Balkan. Eine große zusammenhängende Population existierte nur noch in Russland. Mittlerweile sind die Luchsbestände in den genannten Gebieten wieder angewachsen, wobei die Balkanpopulation weiterhin als bedroht gilt. Alle anderen Populationen in Europa sind auf Wiederansiedlungen während der vergangenen Jahrzehnte zurückzuführen.

In Deutschland gibt es zwei wiederangesiedelte Populationen im Böhmerwald/Bayerischen Wald und im Harz. Einzelnachweise gibt es in verschiedenen Bundesländern, die vermutlich auf natürliche Zuwanderung oder auf illegale Aussetzungen von Gehegetieren beruhen.

Wie groß ist das Revier eines Luchses?

Luchse leben einzelgängerisch und haben sehr große Streifgebiete, die in Abhängigkeit vom Geschlecht, der Region und der Jahreszeit variieren. Die Größe des Streifgebietes eines Luchses hängt von der Beschaffenheit der Landschaft und dem Nahrungsangebot ab. Sie können sich zwischen 50 km² und 1.000 km² erstrecken. In Deutschland sind nach Erfahrungen aus anderen Ländern Reviergrößen zwischen 100 und 400 km² zu erwarten. Ein Männchenrevier umfasst ca. 2-3 Weibchenreviere, wobei sich die Streifgebiete der Tiere (sowohl der Männchen, als auch der Weibchen) in der Regel nur geringfügig überschneiden.

Wovon ernähren sich Luchse?

In Mitteleuropa lebt der Luchs hauptsächlich von Rehen und ggf. Gämsen. Es werden jedoch auch junges Rotwild, junge Wildschweine, Hasen, Füchse, Kleinsäuger und Vögel erbeutet. Nutztiere v.a. Ziegen, Schafe und Gehegewild werden nur in Einzelfällen gerissen.

Wo leben Luchse?

Große, zusammenhängende und vor allem strukturreiche Wälder mit Windwurfflächen, Lichtungen, Altholzinseln (Zerfallsphasen mit starkem, liegendem Totholz) und Felsformationen begünstigen die Lebensbedingungen. Ebenso werden Übergangsgebiete zwischen Wald und extensivem Grünland genutzt. Neben ihrer beachtlichen Größe sollten die Reviere kaum zerschnitten sein. Die Größe des Streifgebietes eines Luchses hängt von der Beschaffenheit der Landschaft und dem Nahrungsangebot ab. Sie können sich zwischen 50 km² und 1.000 km² erstrecken. In Deutschland sind nach Erfahrungen aus anderen Ländern Reviergrößen zwischen 100 und 400 km² zu erwarten. Ein Männchenrevier umfasst ca. 2-3 Weibchenreviere, wobei sich die Streifgebiete der Tiere (sowohl der Männchen als auch der Weibchen) in der Regel nur geringfügig überschneiden

Werden durch Luchse andere Tierarten ausgerottet?

Nein, denn das Wild als Beute und der Luchs als Jäger haben ein funktionierendes Wechselspiel mit langer Parallelevolution. Das Wild stellt sich also auf den wiederkehrenden Räuber ein, sodass eine deutliche Reduzierung der gesamten Wildpopulation nicht zu erwarten ist.

Lediglich Mufflons, die ursprünglich aus dem asiatischen Raum kommen und zur Umsetzung ihrer Fluchtstrategien felsiges Gelände brauchen, sind potenziell gefährdet. Da die Art in Mitteleuropa als Neubürger angesiedelt wurde und derartige Strukturen in Rheinland-Pfalz fehlen, sind Auswirkungen auf die Population des Mufflons, z.B. am Donnersberg, nicht auszuschließen. Lokal kann es zu Bestandsveränderungen insbesondere bei Rehen kommen.

Leben Wildkatzen und Luchse im gleichen Gebiet?

Wildkatzen (Felis silvestris, FFH-Art 1363) leben in weiten Teilen der Nordhemisphäre sympatrisch mit dem Luchs, eine Gefährdung der Wildkatze durch den Luchs ist daher nicht anzunehmen.

In der Schweiz wurden einzelne Luchse über lange Zeiträume kontinuierlich besendert und deren Beutetiere gesucht und dokumentiert. Der Nachweis der Beutetiere erfolgte an Hand von Direktfunden und aus Kotanalysen.
Die Untersuchungen aus dem Jura, einem Gebiet in dem Wildkatze und Luchs gemeinsam vorkommen, belegen 622 Beutetiere von sendermarkierten Luchsen in 10 Jahren, davon eine Wildkatze (Breitenmoser, Breitenmoser-Würsten (2008) - Der Luchs. Ein Grossraubtier in der Kulturlandschaft, S. 389).

Ist der Luchs eine geschützte Art?

Der Luchs ist nach EU-Recht eine streng zu schützende Art und von europaweitem Interesse. Luchse sind Zielart der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH). Im Anhang IV der Richtlinie wird der Luchs als streng zu schützende Art aufgeführt; die Artenschutzziele sind auch durch Wiederansiedlungsmaßnahmen zu verwirklichen. Nur so kann der von der EU geforderte gute Erhaltungszustand erreicht werden.

Luchse werden auf der Roten Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten geführt (Deutschland Kategorie 2:stark gefährdet/ Rheinland-Pfalz Kategorie 0:ausgestorben). Der Luchs unterliegt dem Jagdrecht; es gilt eine ganzjährige Schonzeit.

Die gesetzlichen Vorgaben sind verbunden mit einer Pflicht zum Schutz und zur Förderung der Art.

Gibt es nationale Schutzstrategien für den Luchs?

Eine Vision der Nationalen Biodiversitätsstrategie zum Thema Artenvielfalt ist es, den Anteil der vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten bis zum Jahre 2010 zu verringern. Dabei soll sich unter anderem bis 2020 für den größten Teil der Rote-Liste-Arten die Gefährdungssituation um eine Stufe verbessern. Der Luchs ist in der Roten Liste Deutschlands 2009 in der Kategorie 2 „stark gefährdet“ geführt.

Als konkretes Ziel, speziell für den Luchs, wird angegeben, dass bis 2020 der Luchs neben den Alpen auch in den Mittelgebirgen wieder heimisch sein soll. 

Für den Erhalt der genetischen Vielfalt der Arten wird explizit neben Schutz und Vernetzung ihrer Lebensräume auch der direkte Artenschutz genannt. Eine durch die Nationale Biodiversitätsstrategie beschriebene Umsetzungsmöglichkeit ist die Erarbeitung und Durchführung von Artenschutzprogrammen zur Erhaltung und Wiederansiedlung spezifischer Arten und Artengruppen.

Der Aufbau einer Teilpopulation im Mittelgebirge Pfälzerwald ist ein Beitrag zur Erreichung beider formulierten Ziele.

Das Projekt versteht sich als Instrument der Umsetzung des Artenschutzprojektes „Luchs" des Landes und wird sich in die Biodiversitätsstrategie des Landes einfügen.

Es gilt, die wenigen kleinen Luchsvorkommen in Deutschland zu erhalten und zu stärken. In zerschnittenen Lebensräumen scheint es die bessere Strategie zu sein, mehrere benachbarte Teilpopulationen des Luchses zu begründen und eine Vernetzung anzustreben, statt eine große Quellpopulation zu etablieren.

In Deutschland sind - bis auf den Harz - alle potentiellen Luchspopulationen „randständig", das heißt sie müssen zusammen mit benachbarten Staaten erhalten und „verwaltet“ werden, was auch das Engagement der Bundesinstitutionen und nicht nur der Länder erfordert.

Wiederansiedlung

Gibt es vergleichbare Projekte? Welche Erfahrungen liegen vor?

Seit den 70er Jahren wurden, mit sehr unterschiedlichem Erfolg, 16 Wiederansiedlungsprojekte (teilweise heimlich oder ohne behördliche Genehmigung) in acht verschiedenen Ländern Mitteleuropas durchgeführt. Ein Scheitern war oft durch eine zu geringe Zahl an Tieren bzw. einem zu geringen Anteil an Weibchen begründet. Weitere negative Faktoren waren illegale Abschüsse wegen fehlender Akzeptanz und Verkehrsmortalität.

Für das geplante Projekt wird insbesondere der Austausch mit der Schweiz gepflegt, da hier bereits jahrelange Erfahrung mit der Ansiedlung und dem Monitoring von Luchsen besteht. Weiterhin besteht ein gewachsener Austausch mit den Wiederansiedlungsprojekten in Deutschland: Harz und Bayerischer Wald/Böhmer Wald.

Ein besonders intensiver Kontakt besteht mit den französischen Partnern, hier soll mit den bestehenden Strukturen zum Luchsmonitoring und -schutz eng zusammengearbeitet werden.

 

Warum wird der Luchs nicht im Nationalpark Hunsrück angesiedelt?

Als großer Beutegreifer beanspruchen weibliche Luchse im Bayerischen Wald eine Reviergröße von 50 - 200 km², Männchen zwischen 150 und 400 km². Die Reviere überlappen sich teilweise.

Das UNESECO Biosphärenreservat Pfälzerwald/Nordvogesen hat eine Flächenausdehnung von 3.028 km². Eine Ansiedlung im Pfälzerwald ergänzt damit entsprechende Bemühungen in den Vogesen in Frankreich. Die Bewertung des Lebensraums im gesamten Biosphärenreservat zeigt Potential für eine Population von ca. 40 – 45 Luchsen.

Der Nationalpark hat eine Fläche von 100 km² und ist für sich genommen zu klein um eine Luchs-Population beherbergen zu können. Es ist vorstellbar und wünschenswert, dass Luchse nach der Etablierung im Biosphärenreservat Pfälzerwald/Nordvogesen auch in den Hunsrück migrieren. Eine aktive Wiederansiedelung im Nationalpark Hunsrück wird es nicht geben. 

Warum müssen Luchse aktiv angesiedelt werden?

Die Notwendigkeit der Wiederansiedlung von Luchsen begründet sich über das konservative Abwanderungs-Verhalten zur Erschließung neuer Territorien. Luchse können keine weit entfernten, unbesiedelten Lebensräume erschließen, sondern benötigen Anschluss an eine bestehende Population. Ohne eine aktive Unterstützung durch den Menschen werden Luchse auf Grund bestehender Barrieren, insbesondere der Zaberner Steige, in der Zielregion nicht heimisch werden.

Das Gründen einer Population benötigt wesentlich mehr Einwanderer oder umgesiedelte Luchse als später zum Erhalten der genetischen Lebensfähigkeit notwendig sind. Schon wenige zwischen den Populationen wandernde Tiere vermögen dann einer genetischen Verarmung entgegenzuwirken.

Barrieren ungeeigneten Habitats werden von einer Luchspopulation vielfach nur mühsam überwunden – nicht, weil sie physisch unüberwindbar sind, sondern weil sich über die Barriere hinweg der Kontakt zu den Nachbarn nicht aufrechterhalten lässt.

Mit dem Projekt soll die dauerhafte Etablierung einer überlebensfähigen Population ermöglicht werden. Die Population der 1983-1993 in den Süd- und Mittelvogesen ausgewilderten Tiere kann gestützt werden bzw. eine Vernetzung mit dieser Population ist anzustreben.

Ist der Pfälzerwald ein geeigneter Lebensraum für Luchse?

Der Pfälzerwald zählt zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten in Deutschland. Das Gebiet des Pfälzerwaldes und der französischen Nordvogesen wurde 1998 als grenzüberschreitendes Biosphärenreservat anerkannt. Es ist 110 km lang und zwischen 30 und 40 km breit. Neben der Flächenausdehnung bietet es einen besonders hohen Bewaldungsgrad, zahlreiche Felsformationen und eine ausreichende Rehdichte. Alles in allem birgt der Pfälzerwald damit also sehr gute Bedingungen für den Luchs. Im Pfälzerwald könnten in Verbund mit den gesamten Vogesen (5.232 km²) bis zu 100 Luchse leben.

Die wiederangesiedelten Luchse könnten sich in die Nordvogesen ausbreiten und langfristig im genetischen Austausch mit der Teilpopulation in den Mittel- und Südvogesen und im Weiteren mit dem Jura und den Alpen stehen. Dies ist für den Erhalt der genetischen Vielfalt innerhalb der Population notwendig.

Wie lange wird das Projekt schon vorbereitet ?

 

1977

erste Überlegungen zur Wiederansiedlung von Luchsen in Rheinland-Pfalz

1983 - 1993

Wiederansiedlungen in den Süd- und Mittelvogesen

1997 – 2001

INTERREG II „Programm zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen den Naturparks/Biosphärenreservaten Vosges du Nord und Pfälzerwald“: 2. Grenzüberschreitende Beobachtung der Umwelt, 2.b. Erfassung und Schätzung der Luchsbestände

seit 1999

systematische Erfassung und Überprüfung von Luchsmeldungen im Pfälzerwald und Umgebung (FAWF)

2000

Gründung der Initiative Pro Luchs (IPL)

2003-2008

INTERREG III A-PAMINA, Projekt Nr. 3.1.8 „Weiterentwicklung der deutsch-französischen Zusammenarbeit im grenzüberschreitenden Biosphärenreservat“: I. Naturschutz, I.2 Aktionsprogramm für den Luchs

2004

Start Artenschutzprojekt "Luchs" mit INTERREG IV-Projekt "Aktionsplan Luchs/ Plan d'action pour le lynx Pfälzerwald / Vosges du Nord", Fortschreibung des Berichts in den Folgejahren

2005

Aufbau eines Luchs-Berater-Netzes im Norden mit entsprechender Ausbildung (LUWG)

2010

Gründung des Vereins „Luchs-Projekt Pfälzerwald / Vosges du Nord e.V.“ der sich die Wiederansiedlung von Luchsen im Pfälzerwald zum Ziel gesetzt hat.

2011

Bau einer Grünbrücke über die A6 bei Wattenheim

2012

FAWF übernimmt landesweit Luchsmonitoring und etabliert flächendeckendes Luchsberater-Netz

2012

Etablierung eines Runden Tisches "Großkarnivoren" des MULEWF

2012

Analyse zu Finanzierung und Entwurf eines Luchs-Projektes (LUWG)

2013

Bau einer Grünbrücke bei Hinterweidenthal (B10)

2013

Genehmigung des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten zur Auswilderung von Luchsen im Pfälzerwald

2014

Aufbau eines Entschädigungsfonds (Stiftung Natur und Umwelt RLP) geplante Gründung eines Nationalparks Hochwald-Idarwald (Trittstein Richtung Norden)

 

 

 

Gefährdet der Verkehr auf den Straßen die Luchse?

Die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen oder andere Besiedlungen gelten für alle wandernden Tierarten als Hindernis. Die Mortalität an Straßen gehört zu einer der häufigsten Todesursachen bei Luchsen. Ob die Gefährdung von Luchsen durch Zäune gemindert werden kann und wie solche Zäune praktisch ausgeführt werden können, ist derzeit nicht bekannt. Im Rahmen des Projektes wird ein Konzept entwickelt welches aufzeigen soll, welche Zäunungsmaßnahmen für die Luchspopulation förderlich sind (Zauntyp, Lokalität, Gestaltung) und welche Zäunungsmaßnahmen eher kritisch zu beurteilen sind (mangelnde Effektivität, Fallenwirkung, Trennwirkung ohne Querungsbauwerke).


Es gibt Planungen, die B10 - die den Pfälzerwald von Ost nach West quert - zu einer übergeordneten Verkehrsader von europäischer Bedeutung zu entwickeln. Damit verknüpft sind Ausbauplanungen dieser Bundesstraße zur 4-spurigen Straße. Aufgrund der Ergebnisse des entwickelten Aktionsprogramm Luchs / Plan d'action pour le lynx (INTERREG III A-PAMINA (2003 –2008), Projekt Nr. 3.1.8) konnte erreicht werden, dass im Zuge eines eventuellen Ausbaus der B10 ein wildbiologisches Gutachten im Auftrag des Landesbetrieb Mobilität erstellt wurde. Dieses hat ermittelt, wie sich die Zerschneidungseffekte zukünftig auswirken. Aufgrund dieses Gutachtens sind im aktuellen Planfeststellungsvorhaben zur B10 bereits Grünbrücken vorgesehen. Im Rahmen des Ausbaus der B10 wurde bereits eine Grünbrücke bei Hinterweidenthal gebaut (2013).

 

Der wichtigste Korridor, der eine Verknüpfung der Luchspopulation im grenzüberschreitenden Biosphärenreservat mit den Nachbarpopulationen gewährleistet, verläuft entlang des linksrheinischen Gebirgskammes der Vogesen. Die französische A4 durchschneidet den Wanderkorridor Nordvogesen-Vogesen an der Zaberner Steige, einem natürlichen Nadelöhr. Nach Einschätzung verschiedener Experten stellt die A4/E25 eine sehr starke, aber nicht unüberwindbare Barriere dar. Die mehrmalige Überwindung der Autobahn durch Nutzung einer Straßenquerung bzw. eines Wasserdurchlasses konnte durch eine telemetrierte Wildkatze belegt werden.

Eine sporadische Querung von Einzeltieren zum Erhalt der genetischen Lebensfähigkeit der Teilpopulation ist daher möglich.

 

 

Vom Pfälzerwald aus gesehen in nordwestlicher Richtung bildet neben der A6 auch die neu gebaute A63 eine Barriere. Bei der A6 bietet eine Grünbrücke bei Wattenheim (2011) und mehrere Waldwegeunterführungen Querungshilfen. Die A63 verläuft an verschiedenen Stellen über Brücken.

Warum sollen wilde Luchse umgesiedelt werden?

Grundsätzlich ist nach Meinung der Experten der IUCN CatSpecialistGroup das Verwenden von Zootieren nicht zu empfehlen, wenn Tiere aus dem Freiland zur Verfügung stehen. Zudem ist die Auswilderung von Zootieren aufwändiger, da ein entsprechend großes Auswilderungsgehege gebaut werden muss und nicht jedes Tier für eine Auswilderung geeignet ist.

Zur Auswilderung in Mitteleuropa wurden und werden Karpatenluchse (Lynx lynx carpathicus) verwendet, denn sie sind mit den ursprünglich in Mitteleuropa lebenden Luchsen vermutlich am engsten verwandt.

Das Verwenden von Tieren aus den wiederangesiedelten Populationen vor allem aus der Schweiz ist die einfachste Möglichkeit, zu wilden Luchsen zu kommen. Alle wiederangesiedelten Populationen zeigen jedoch einen mehr oder weniger ausgeprägte genetische Drift im Vergleich zur Ursprungs-Population. Deshalb sollten verschiedene Quellpopulationen verwendet und die Gründertiere gemischt werden. Die beste Quelle wäre aus Sicht der Populationsgenetik die Karpaten. Hier kommen zwei Länder in Frage, die Slowakei und Rumänien.

Werden durch Luchse andere Tierarten ausgerottet?

Nein, denn das Wild als Beute und der Luchs als Jäger haben ein funktionierendes Wechselspiel mit langer Paralellevolution. Das Wild stellt sich also auf den wiederkehrenden Räuber ein, sodass eine deutliche Reduzierung der gesamten Wildpopulation nicht zu erwarten ist.

Lediglich Mufflons, die ursprünglich aus dem asiatischen Raum kommen und zur Umsetzung ihrer Fluchtstrategien felsiges Gelände brauchen, sind potenziell gefährdet. Da die Art in Mitteleuropa als Neubürger angesiedelt wurde und derartige Strukturen in Rheinland-Pfalz fehlen, sind Auswirkungen auf die Population des Mufflons, z.B. am Donnersberg, nicht auszuschließen. Lokal kann es zu Bestandsveränderungen insbesondere bei Rehen kommen.

Mensch & Luchs

Können die Luchse beobachtet werden?

Die Luchse sind nach der Auswilderung nur schwer zu beobachten, da sie deckungsreiches Gelände bevorzugen und dämmerungs- und nachtaktiv sind. Über ein Halsband mit eingebautem Sender kann der Aufenthaltsort über ein GPS und GSM-Signal ermittelt werden. Informationen über Verhalten und Ausbreitung der Luchse können so gewonnen werden.

Sind Luchse für Menschen gefährlich?

Nein, der Luchs stellt keine Gefahr für den Menschen dar.

Die Wahrscheinlichkeit einen Luchs überhaupt zu Gesicht zu bekommen ist sehr gering, da die Tiere sehr heimlich sind.

Fressen Luchse Nutz- oder Haustiere?

Der Luchs ist im Stande Schafe, Ziegen und in Gehegen gehaltenes Wild zu reißen, allerdings nur, wenn diese leicht für ihn zugänglich sind. Übergriffe finden also in der Regel nur sehr selten statt.

Nutztierhalter werden bei der Prävention, sowie bei einem Verlust von einem Nutztier unterstützt. Der wirtschaftliche Schaden wird auf freiwilliger Basis erstattet.

Entsprechende Maßnahmen sind mit dem Wiederansiedlungsprojekt eng verbunden.

Was ist zu tun, wenn man einem Luchs begegnet?

Es gilt als große Seltenheit, einen Luchs zu Gesicht zu bekommen. 
Man muss keine Angst vor dem Luchs haben.

Der Luchs wird sich von selbst zurückziehen. Falls eine zusätzliche Aufforderung notwendig sein sollte, machen Sie sich bemerkbar z.B. durch Rufe, starkes Gestikulieren und Klatschen.

Halten Sie Hunde an der Leine, damit die Schutzwirkung des Menschen auch auf den Hund übertragen wird.

Was passiert, wenn ein Nutztier gerissen wurde?

Wenn es zu einem Schaden oder Verlust gekommen ist, werden diese Schäden begutachtet. Bitte melden Sie sich entweder per E-Mail luchs@snu.rlp.de oder bei der Großkarnivoren-Hotline 06306-911199.

Um die Rissbegutachtung durch die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz zu unterstützen, sollten der Schadensort großräumig abgesperrt und Hunde ferngehalten, das tote Nutztier mit einer Plane als Schutz abgedeckt und der Schaden innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden.

Entsprechend der Rissbeurteilung ist eine Entschädigung in Form einer Ausgleichszahlung vorgesehen. Näheres regelt der Luchs Managementplan des Landes Rheinland-Pfalz.

Welche Interessensgruppen sind eingebunden?

Die langjährig aktiven Akteure der Initiative pro Luchs (IPL) sollen in einem „Projektbeirat“, dem sogenannten Luchsparlament, eingebunden werden und regelmäßig tagen. Erst durch die Zusammenführung aller betroffenen Interessensgruppen (dt. + frz.) ist eine Umsetzung des Projektes möglich.

Das Luchsparlament soll in die Prozesse miteinbezogen werden. Dazu gehören unter anderem die Ausgestaltung des Wiedereinbürgerungsprojektes und die Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam erarbeitete fachliche Grundlagen und eine untereinander abgestimmte Vorgehensweise sollen zu einer Akzeptanz bei den beteiligten Gruppen beitragen. Ein gemeinsames Auftreten von Verbänden, Behörden und anderer Institutionen vor der Öffentlichkeit wird angestrebt.

Die Themen und Ergebnisse sollen auch in den 2012 vom Umweltministerium Rheinland-Pfalz neu gegründeten Runden Tisch Großkarnivoren getragen und diskutiert werden, um Synergien zu ermöglichen.

Bei besonders relevanten Interessensgruppen wie Jägern und Schafhaltern werden zusätzlich Informationen direkt durch Vorträge, Gespräche und spezielle Informationsmaterialien an Einzelpersonen weitergegeben. Über verbandsinterne Kommunikation wird die Akzeptanz der Materialien und Informationen gesteigert.

Die Information der lokalen Bevölkerung und Besucher des Biosphärenreservats erfolgt neben den gängigen Informationswegen über lokale Informationszentren bzw. Umweltbildungsinstitutionen. Ein erlebnisorientierter Ansatz wird bevorzugt. Die Gruppe der Kinder und Jugendlichen soll zusätzlich durch Veranstaltungen und die Bereitstellung entsprechenden Lehrmaterials über die Schulen angesprochen werden.

In Zusammenarbeit mit relevanten Touristik-Institutionen, die innerhalb des Biosphärenreservates für die touristische Vermarktung der Region zuständig sind, kann der Luchs als Flagschiffart für den Pfälzerwald genutzt werden.

 

 

 

Literatur Tipps

Breitenmoser, U. & Breitenmoser- Würsten, C. 2008: Der Luchs - Ein Großraubtier in der Kulturlandschaft. Salm-Verlag, Band 1&2, Bern, Band 1 265 S., Band 2 537 S., ISBN: 978-3-7262-1414-2

 

 

 

 

 

Bürglin, R. 2015: Sie sind wieder da - Bär, Luchs und Wolf erleben. Kosmos-Verlag, Stuttgart, 160 S., ISBN: 978-3-440-14593-7

 

 

 

 

 

 

Eiberle, K. 1972: Lebensweise und Bedeutung des Luchses in der Kulturlandschaft – dargestellt anhand der Ausrottungsgeschichte in der Schweiz. Paul Parey Verlag, Singhofen, 65 S., ISBN: 978-3490012180

 

 

 

 

 

 

Fischer-Nagel, H., Fischer-Nagel, A. 2012: Luchse in unseren Wäldern. Heiderose Fischer-Nagel Verlag, Spangenberg, 45 S., ISBN: 978-3-930038-29-9

 

 

 

 

 

 

Heurich, M. & Sinner, K.F. 2012: Der Luchs – Die Rückkehr der Pinselohren. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg, 139 S., ISBN: 978-3-935719-66-7

 

 

 

Kalb, R. 1992: Der Luchs – Lebensweise, Geschichte, Wiedereinbürgerung. Naturbuch Verlag, München, 64 S., ISBN: 978-3894400552:

 

 

 

 

 

 

Line, L. & Ricciuti, E. R. 2000: Faszinierende Welt der Wildkatzen. Pabel-Moewig-Verlag, Rastatt, 256 S., ISBN: 978-3811815919

 

 

 

 

 

 

 

Matjuschkin, E.N. 1978: Der Luchs. Die Neue Brehm-Bücherei, Magdeburg, 160 S., ISBN: 978-389432-177-2

 

 

 

 

 

 

 

Neumann-Neudamm 2013: Luchse – Jäger auf leisen Pfoten. Verlag J. Neumann-Neudamm AG, Melsungen, 96 S., ISBN: 978-3788814496

 

 

 

 

 

 

 

Vogeltanz, J. & Cervensy, J. 2012: Luchse im Böhmerwald und Bayerischen Wald. Österreichischer Jagd- und Fischerei-Verlag, Wien, 125 S., ISBN: 978-3852080994

 

 

 

 

 

 

Wölfl, M. & Klein, H. 2000: Luchswege. Mittelbayerischer Verlag, Regensburg, 136 S., ISBN: 978-3931904845