May 2017 11:24 Age: 15 days

Unterwegs auf leisen Pfoten

aus dem Leben der sieben Luchse


Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz beobachtet aufmerksam, wie sich die 2017 freigelassenen Luchse in ihrer neuen Heimat bewegen. Nachdem Kuder Arcos nach seiner Freilassung im März eine große Wanderung in die Vogesen startete, lassen es die anderen Luchse etwas ruhiger angehen.

Die Schweizer Luchsin Rosa verlagerte ihren Aktionsraum nach der Freilassung etwas in Richtung Süden und hat in den vergangenen vier Wochen einen Raum etwa zwischen Geiselberg und Elmstein erkundet. Damit knüpft sie direkt an das Streifgebiet der bereits 2016 freigelassenen Luchsin Kaja an und teilt sich aktuell einen Teil des Gebietes auch mit Kuder Lucky. Während sich Reviere gleichgeschlechtlicher Luchse in der Regel nur geringfügig überschneiden, können - die meist größeren - Männchenreviere ein bis drei Weibchenreviere umfassen.

Etwas neugieriger ist ihre Schweizer Kollegin Bell. Sie orientierte sich zunächst Richtung Norden, überquerte die A63 und machte einen Abstecher in die Rheinebene Richtung Alzey. Trotz erfolgreicher Jagd in der freien Feldflur kehrte sie bald wieder um, wanderte in den Donnersberg, von dort wieder in den Pfälzerwald, stattete der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg einen kurzen Besuch ab und hält sich nun am Donnersberg auf. Bell bewegt sich umsichtig durch die Landschaft: mehrfach nutzte sie Brücken oder Unterführungen zur Überquerung der Autobahnen, so auch die für Wildtiere extra eingerichtete Grünbrücke über die A6 bei Wattenheim. Den Querungsnachweis konnte Projektmitarbeiter Michael Back mit Hilfe seiner speziell ausgebildeten Suchhunde, dem Hannoverschen Schweißhund „Bodo“ und seinem Helfer dem Rauhaarigen Foxterrier „Emil“ erbringen. Allein anhand der zeitlich getakteten GPS-Daten des Sendehalsbandes wäre die Nutzung der Brücke nicht nachweisbar gewesen.

Wie auch Bell zuvor, macht der zuletzt freigelassene Kuder Cyril aus der Slowakei zurzeit einen Abstecher aus dem Pfälzerwald in die Rheinebene. In der Höhe von Bad Dürkheim hat er den Pfälzerwald verlassen. Er bewegt sich geschickt entlang der wenigen vorhandenen Deckungen wie Gebüsche und Wäldchen und nutzt den Raum bis nach Ludwigshafen. Dem Kuder ist es mehrfach gelungen in der intensiv genutzten Landschaft Beute zu machen. Ein weiteres Beispiel für die Anpassungsfähigkeit dieser Tierart an die heutige Kulturlandschaft.

Hintergrund
Mithilfe des europäischen Förderprogramms LIFE-Natur führt die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz mit ihren Projektpartnern Landesforsten Rheinland-Pfalz, SYCOPARC in Frankreich sowie dem WWF das Projekt zur Wiederansiedlung der Luchse durch. Das Vorkommen kann zum Schutz und Erhalt einer Art beitragen, die in Europa nur mehr in wenigen Rückzugsgebieten vorkommt und in Zentral- und Westeuropa als gefährdet einzustufen ist. Das Projekt ist im Januar 2015 gestartet. Die Umsetzung der Maßnahmen ist über einen Zeitraum von sechs Jahren (bis 2020) vorgesehen. Naturschutzexperten der International Union for the Conservation of Nature (IUCN) haben die Konzeption geprüft und sehr positiv bewertet. Die Wiederansiedlung der Luchse wird mit 50% durch das EU LIFE-Programm gefördert und hat ein Gesamtvolumen von 2,75 Mio. €. Neben der Stiftung und ihren Projektpartnern beteiligen sich das Land Rheinland-Pfalz, die Deutsche Wildtier Stiftung, die Landesverbände von NABU und BUND, die HIT Umweltstiftung sowie weitere Förderer an der Finanzierung des Vorhabens. Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz unterhält ein Projektbüro in der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt.
Mehr Informationen zum LIFE Luchs Projekt Pfälzerwald der Stiftung und ihren Projektpartnern gibt es im Internet unter www.luchs-rlp.de.

Kontakt
Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz
Projektbüro LIFE Luchs
sylvia.idelberger@snu.rlp.de
Tel. 06306 – 911 156